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41

11.11.2014, 12:17

Hallo Dietmar,

Bisher habe ich nur mitgelesen, allerdings Frage ich mich nun warum Du nach so vielen Jahren die Buschhuhnzucht aufgibst?
Ich selbst habe aus Bruteiern und einem Hahn von Robert einen kleinen Stamm dieser schönen Hühnchen.

Beste Grüße Michael

42

11.11.2014, 13:52

An allem nagt der Zahn der Zeit

Hallo Michael,
ich bin 65 Jahre alt und pflege meine Mutter (87 Jahre) und meinen Schwiegervater (97 Jahre), das ist fast schon ein Voll-time-job. Die Volieren liegen
hinter unserem Haus an einem Steilhang. Dieser Hang ist schon für jüngere Personen ohne Lasten anstrengend. Wöchentlich muß ich dann einen 25 kg-Sack Futter den Berg raufschleppen. Die Volieren sind aus Holz gebaut, über 30 Jahre alt und mittlerweile sind die Balken mürbe. Ich nenne diese
Volieren "Villa stürz nicht ein". Da ich auch keine Nachfolger habe, die die Zucht weiterführen würden, habe ich mich schweren Herzens entschlossen,
einen Schlußstrich zu ziehen. Das ist mir nicht leicht gefallen, kannst Du mir glauben. Ich werde aber weiterhin dem "Freundeskreis" angehören und
sollte mal mein Rat gefragt sein, meinen Senf dazutun.
Viele Grüße
Dietmar

Heidi

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43

11.11.2014, 14:47


sollte mal mein Rat gefragt sein

und ob Dein Rat im Punkt Wildblut bei uns beiden noch gefragt sein wird!
Ich hoffe doch sehr das Du uns bei Yellow und Co mit Deinem Rat zur Seite stehst.

Gruß Heidi

44

11.11.2014, 14:52

Hallo!


Oha, welch eine gesichts- verlängernde Bilanz, Dietmar :(...
Soll das heißen, wir sind mehr oder weniger alles im Klartext gesagt "Blindgänger", die wir mehr das optisch vollere Huhn ziehen/ bevorzugen? Du sagst, die heutigen Buschhühner taugen nicht (mehr) für die Wildnis.
Da hätte ich gerne gefragt: Ja, woher sollen sie denn? Seit 1978/ '79 gibt es keine frei lebenden Buschhühner mehr, und das Menschenhand quasi immer anders selektiert als die Natur, nun ja, ist eigentlich bekannt, da Mensch nur nach dem Äußeren gehen kann, und nur sehr beschränkt nach inneren Werten...
Das zeigte sich schon bei der Auswilderung der Takhis (Przewalskipferde) in der Mongolei. Obwohl dort autochthon, müssen sie die Ausgewilderten im Winter zufüttern, weil die keinen Plan mehr haben, wie man den harten Steppenwinter überlebt. Extensiver lassen die sich nur in milderen Klimaten "halten", wo auch die Wintervegetation reichlicher ist... Auch wenn man Arten äußerlich erhalten mag, in der Hand des Menschen, ohne Einfluss der Natur, entstehen da beinahe zwangsläufig semi- domestiziert anmutende Tiere...
So kann man irgendwie auch nicht erwarten, dass sich Buschhühner im perfekten Wildtyp und ebensolcher Kondition erhalten lassen, wenn die ausschließlich in Volieren oder sonst menschen- beeinflusst leben. Weiterhin oder überhaupt völlig wild hätte man sie halten müssen, dann wäre es was geworden. Und wie ihr ja selber alle anmerktet: ZU wildblütig ist ja auch nicht gut, weil sie sonst die Fasanenküken verhackstücken...

Zudem muss man sehen: Muntau züchtete in kontinentalem Klima. Heiße, trockene Sommer, knackend kalte, lufttrockene Winter.
Wir leben hier im ozeanisch beeinflussten Klimabereich. Zwar ganzjährig relativ mild, aber nahezu durchgehend nass- feucht. Das hat der Kontinentalklima- Vogel Truthuhn trotz allerintensivster Bemühungen nicht mitgemacht, und es verwundert nicht, dass die Hühner sich damit auch schwer tun, wenngleich nicht ganz so schwer wie die Truten.
Dann kommt der Feinddruck dazu. Wie wir alle wissen, ist Deutschland in den letzten Jahrzehnten ökologisch nahezu verwüstet, übrig geblieben sind wenige Opportunisten, wozu Habicht und Fuchs nun mal gehören- sie nehmen alles, was sich überwältigen lässt, und in Ermangelung des Artenreichtums bei der Beute oder überhaupt größerer Beute, kommen die relativ fleischigen Hühner da gerade recht.
Da ist die Schuld meiner Ansicht nach weniger beim selektierenden Menschen zu sehen, der Hähne mit voller Befiederung mag, sondern eher in der allgemeinen Situation, wo jegliches angepasste Flugwild ebenfalls seine Probleme hat.

Alles in allem geht mir dieser scheinbar unvereinbare Heckmeck auch ziemlich auf die Nerven, ein "schautaugliches Wildhuhn" scheint wirklich nicht im Bereich des Möglichen zu liegen, wie Du schon sagst, von daher kann man sich wirklich schon fragen, was das eigentlich alles soll... Kann man keinen Kompromiss finden, ein "Miteinander" statt nur ein "Wildhuhn oder Schauhuhn"?
Ich meine, Wildhühner sind hierzulande doch sowieso illusorisch... Das mag zu Muntaus Zeiten noch möglich gewesen sein, aber heute, wo jeder gleich die Krise kriegt und mit Tornado- Kampfjets anrückt, wenn irgendwo am See eine Gans steht und "Hatschi" macht? Ich glaube, da hast Du wiederum völlig recht, aber dann war schon der spätere Muntau unwissentlich auf dem Holzweg, nicht erst rezente Züchter.

Grüße,
Andreas

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Andreas75« (11.11.2014, 15:00)


45

11.11.2014, 17:23

Hallo Andreas,
in Parkanlagen, wie z.B. den Barmer Anlagen http://www.barmer-anlagen.de/Home.3.0.html , wo es ja auch Buschhühner gab oder in Planten un Blomen
http://plantenunblomen.hamburg.de/ könnten ohne weiteres Buschhühner vom "Muntau-Typ" überleben. Muntau hat selber Hühner dem Park Planten un Blomen überlassen. Überall in Parks wo auch Gold-, Silber- und Königsfasane sowie Pfaue frei leben, könnten es auch die Buschhühner. Ebenso auf Gehöften, die etwas außerhalb der Ortschaften liegen, könnten Buschhühner frei gehalten werden. Ein Freund in Radevormwald praktiziert das schon seit Jahren erfolgreich. Während seine Altsteirer und Zwerghühner nachts den Stall aufsuchen, übernächtigen die Buschhühner sommertags in den Obstbäumen und im Winter in einigen alten Fichten. Natürlich hat er auch Verluste durch Fuchs und Habicht - aber ein gewisser Bestand hält sich doch. Auch tagsüber halten sich die Buschhühner in einer breiten und langen Hecke auf, während seine Haushühner das gesamte Hofgelände nutzen.
Die wildblütigen würden sich dort halten, wo es auch Jagdfasane ohne großes menschliches Zutun schaffen.
Viele Grüße
Dietmar

Heimdall

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46

11.11.2014, 18:26

ich habe keine Hühner mehr


Höchsten Respekt vor dieser sicherlich schweren Entscheidung Dietmar.


Dies ist kein guter Tag für das Buschhuhn "ein Kind-Ostpreußens"

47

11.11.2014, 19:58

ich habe keine Hühner mehr
Dies ist kein guter Tag für das Buschhuhn "ein Kind-Ostpreußens"
Hallo Heimdall,
ist doch nur halb so schlimm. Ich bin ja nicht gestorben - und mein Wissen gebe ich ja auch weiterhin gerne weiter. Vor 2 Jahren ist mein letzter
Teckel gestorben. Ich hatte immer gleichzeitig mehrere gute Jagdgebrauchsteckel. Aus dem gleichen Grund wie bei den Buschhühnern, habe ich
mir keine neuen Teckel mehr angeschafft, ebens wurde die Wildkaninchenzucht in diesem Frühjahr beendet. Im nächsten Jahr werden noch meine Wildmeerschweinchen in gute Hände gegeben und dann werde ich u.U. auch einmal die Zeit finden meine Erinnerungen und Geschichten aufzuschreiben oder naturkundliche Reisen anzutreten, falls dann meine Schwägerin die Pflege der "Ahnen" zeitweise übernimmt. Meine 3 Hennen sind bei
Heidi in guten Händen und das ist ein beruhigendes Gefühl. Ich habe bei einem Freund noch eine Super-Henne aus meinem Stamm für Dich "gebunkert". Vielleicht klappt doch einmal eine Übergabe in Neuhaus

Heidi

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48

11.11.2014, 21:27



Meine 3 Hennen sind bei Heidi in guten Händen und das ist ein beruhigendes Gefühl.
Da sag ich doch mal ganz lieb DANKE !!

Heimdall

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49

11.11.2014, 23:03

Ich habe bei einem Freund noch eine Super-Henne aus meinem Stamm für Dich "gebunkert". Vielleicht klappt doch einmal eine Übergabe in Neuhaus

Herzlichen Dank Dietmar,
das klappt bestimmt noch.

Sorteng

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50

12.11.2014, 07:01

Ich schließe mich an Dietmar, größten Respekt vor dieser Entscheidung. So wie du die Lage beschreibst, klingt es nach der richtigen Entscheidung und Hobbys sollten einen nicht kaputt machen.
Und dann bist du nun halt wie ich ohne Buschhühner hier im Forum. Das ist auch sehr interessant. :D

Heidi

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51

12.11.2014, 07:28

Moin,

ich kann das wirklich nur bestätigen wie Dietmar die Lage beschrieben hat.
Der Steilhang ist echt der Hammer! Da mußte ich auch mal ne Pause machen. ^^
Ganz zu schweigen von der "Villa stürz nicht ein".

@ Dietmar

Solltest Du jemals hier in der Nähe sein kannst Du Yellow und uns gerne besuchen.
Telefon-Nr. hast Du.

Gruß Heidi

52

12.11.2014, 22:21

wo es auch Jagdfasane ohne großes menschliches Zutun schaffen.

und genau das ist Heute das Problem. Es gibt verschiedene Untersuchungen von Biologen die belegen, dass Bodenbrüter es trotz optimalen Biotop nicht schaffen einen bestandserhaltenden Nachwuchs aufzuziehen, weil dieser aufgefressen wird. Wie soll da so ein Huhn überleben wenn es die Wildvögel schon nicht schaffen bei alleine beim Fuchs 4-8 fach höherem Aufkommen zu überleben. Ich finde Javanesen und Buschhühner kommen schon sehr gut klar wenn das Umfeld einigermaßen stimmt

53

12.11.2014, 23:49

Überseh' aber nicht, dass nicht nur Fuchs und Co. Schuld sind, sondern auch die kilometerweit überschaubaren, deckungslosen Flächen, die viel zu schmalen Ackerrandstreifen etc. ...
Ist klar, dass kein Hase, kein Fasan und nichts anderes größeres seine Nachzucht hochkriegt, wenn der Wind ungebremst über Kilometer Steppe wehen kann, dem nächsten vorbeistreichenden Fuchs direkt in die Nase, der die Duftspur dann ebenso unbeeinträchtigt von duft- abblockenden Hecken oder sonstigen umleitenden Strukturen ausarbeitet... Oder der Habicht, der anderthalb Kilometer weiter am Waldrand ansitzt und weiter hinten die Fasanenhenne mit dem Gesperre sieht... Ein leichtes für ihn, die dicht über dem Boden ungesehen anzufliegen, denn auch ihm stellt sich ja keinerlei Hindernis in den Weg, dass ihn beim Drübersetzen verraten könnte.
Wir/ ich lebe/n hier in einem Landschaftsschutzgebiet mit wieder angepflanzten, schon größeren Heckenzeilen. Dennoch sehe ich im Wald mehr Hasen als draußen auf den Wiesen, Flugwild ist mit ein paar Wachteln in den hochstaudenbewachsenen Quellfluren vertreten, ansonsten hätten hier vielleicht auch Fasane eine Chance, aber wir sind nur eine winzige Insel, außenrum ansonsten nur von Fichtenwaldplacken umgebene deckungslose Steppe, wo sogar Rehe rar sind...

Es ist nicht nur das Raubwild, da könnt ihr noch so sehr draufhalten, wenn der ganze Rest nicht stimmt. Das weißt Du sicher alles selber, ich wollte es nur erwähnen. Und auch in optimalen Habitaten, die Du erwähnst, nützt es faktisch gar nichts, wenn ihr die Rohre glühen lasst.
Wenn im weiteren Umkreis dasselbe nicht auch gemacht wird, kämpft Ihr gegen Windmühlenflügel... Ich würde den Wolf hier fast als Vorteil sehen, als erstes nämlich wird der die Füchse nachhaltig reduzieren, da die Nahrungskonkurrenz für ihn sind.
Das hat in Yellowstone mit den Kojoten geklappt, und dem dortigen Ökosystem zu lange vermisstem Artenreichtum verholfen, das wird garantiert hier auch mit dem Fuchs klappen.

PS: Ich finde übrigens auch, dass unsere Hühner so schlecht gar nicht dran sein können, wie die immer wieder mal ausgekommenen Tiere beweisen, die ohne weiteres und sogar alleine 1- 2 Jahre draußen überleben. Jedes normale Huhn wäre nach spätestens ein paar Wochen Geschichte...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Andreas75« (12.11.2014, 23:55)


Heimdall

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54

13.11.2014, 07:49

Ein gutes Beispiel dafür dürfte auch das Birkhuhn sein.
Früher in jedem Dorf anzutreffen, heut nur noch in sehr wenigen Gebieten Deutschland zu finden.

Hier bei uns glaube einzig in der Lüneburger Heide (alter Truppenübungsplatz).

Wo sich Wolf und Birkhuhn "Gute Nacht" sagen :)

55

13.11.2014, 17:06

Hy Heimdall,

im Flachland quasi nur noch dort, und selbst da rücken ihnen die Schweinemastanlagen auf die Pelle. Ansonsten gibt es noch in der Rhön welche, dann erst wieder in den Alpen.

56

13.11.2014, 20:16

einige Beispiele

Das Naturschutzgebiet am Dümmer. Trotz optimalen Biotop kein bestandserhaltender Nachwuchs bis, ja bis das Prädatorenmanagement dort eingeführt würde. http://medienjagd.test.newsroom.de/holy_…nmanagement.pdf

das Gleiche beim Trappenschutz im Fiener Bruch, Birkwild in der Rhön usw

um mal den Einfluß des Fuchses zu zeigen http://www.algund.tv/studie/

usw

also unterschätzt diese Hühner nicht

57

13.11.2014, 21:36

Hm, vielleicht hätt' man einfach die Tollwut nicht ausrotten sollen.
Dann hätten die Leute 'nen Grund, ihre Hunde nicht kreuz und quer über die Wiesen und Felder oder durch den Wald rennen zu lassen (Stichwort "Der kriegt den Hasen ja eh nicht, also lass' ihm doch den Spaß"), und Fuchs würde nicht so ausufern. Ihr schießt ja nun schon, was das Zeug hält, aber weniger wird's trotzdem höchstens lokal und nur kurzzeitig...

Was die Trappen angeht, so war ich schon mal im havelländischen Einstand bei Rathenow. Zwar keine Trappen gesehen (war später Oktober), aber dass sie sich nur auf fuchssicher umzäunten Flächen reproduzieren können, sagt vieles. Dennoch: Die optimalen Habitate sind heutzutage Mangelware- wäre es in der Kulturlandschaft auch nur eine Spur optimaler, und seien das Heckenzeilen, die den Wind brechen und einen trockeneren Regenschatten ergeben (Junghasen und -flugwild, dessen Todesurteil nur allzu oft auch zu viel Feuchtigkeit und dazu auskühlender Wind ist), die biologische Vielfalt wäre bereits ein Stück größer, auch mit Reinecke und Co. ...
Berlin zB wimmelt fast vor Füchsen, Mardern, Sauen, Katzen und Hunden, Waschbären gibt es wohl auch, und dennoch herrscht da in den ruhigeren Bereichen abseits der City eine Artenfülle, die man in unserem kompletten Landkreis (Altenkirchen, RLP- ist schon ein größerer) hier vergeblich sucht. Hase, Kaninchen, Fasan, Rebhuhn, Wachteln, Kiebitz, Kranich, Reh, Sau, Damwild, Muffelwild, alle heimischen Rabenvogelarten außer Nußhäher (Dohlen auch nimmer so), alle heimischen Wildtaubenarten, Seeadler, drei Falkenarten (Baum, Wander, Turm), Sperber, Habicht, Mäusebussard, 3- 4 Taucherarten, mindestens 5 heimische Entenarten etc. pp und hast Du nicht gesehen. Berlin brummt vor Artenreichtum, und das in diesem überfüllten Moloch, den ich fast 30 Jahre zu bewohnen die Ehre hatte, und das mit auch jeder Menge Raubwild (plus Ratten) in gesunden Populationen.
Warum funktioniert dennoch da, was im ländlichen Bereich heutzutage schon nahezu unmöglich scheint? Das Raubwild allein KANN es nicht sein. Es ist ein Teil, aber das ausschlaggebende ist der Strukturreichtum, das unmittelbare Nebeneinanderliegen der verschiedensten Lebensräume und ökologischen Nischen.
Solange das nach wie vor km²- weise fehlt und noch immer weniger wird, da könnt ihr wirklich machen was ihr wollt, die Erfolge werden nur kleinlokale sein. Und um wieder bejagbare Bestände an Flugwild etc. zu bekommen, ist es damit leider nicht getan, da müssen die inselartigen Populationen Korridore haben, über die sie sich austauschen und verbreiten können.

Aber ich glaube, ich schweife ein wenig ab ^^.

PS: Warum haben sie die Füchse denn ab 1990 geschont, wenn die so Schei...e sind? Ich wär' doch froh gewesen, die los zu sein, wo doch andernorts alles dran gesetzt wird, das ungefähr selbe zu erreichen.
Allerdings bedenkbar: Bornholm ist eine Insel, just wie die ganzen lokalen Vorkommen von Rebhuhn etc.. Mit dem Unterschied, dass auf dem festen Land jederzeit jede Menge Fuchs neu zuwandern kann. Man kriegt die Reviere auf dem Land einfach nicht dauerhaft fuchsleer, es sei denn, man zäunt ein.

PPS: So "erstaunlich" war's übrigens nicht, dass die Rebhuhn- und Fasanenzahlen sich nach kurzem Hochschnellen wieder auf alte Werte einpendelten.
Zuerst fielen die Gelegeverluste durch den Fuchs aus, wodurch viel mehr Jungvögel aufwuchsen. Bald aber war der verfügbare Lebenraum zu knapp für alle, weshalb sich der Bestand wieder runterlevelte.
Das bedeutet, dass beide Arten sich schon vor dem Aussterben des Fuchses auf dem optimalen Populationsstand befanden, der Fuchs den Zuwachs aber wegfing, und nun statt des Fuchses halt die Population sich selbst reguliert.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Andreas75« (13.11.2014, 21:47)


58

13.11.2014, 21:58

PPPS:

Zitat

Viele Niederwild-Jäger, die trotz aller Mühen die überhöhten Fuchsbesätze nicht in den Griff bekommen, werden sicherlich die Aussagen der Bornholmer Jäger verwundern, dass diese lieber auf die gestiegenen Strecken beispielsweise beim Hasen verzichten würden, als auf die Bejagung der Füchse. Sogar über eine Wiedereinbürgerung der roten Freibeuter wird gesprochen.
Geht's bei der Jagd also doch nur darum, was zum Abknallen zu haben? Ich verstehe die Logik nicht!
Erst wird geweint, der Fuchs frisst ja das ganze Niederwild auf und watzt 70 % der Kitze weg (das tun sie sicher nicht nur auf Bornholm). Dann wird gestaunt, wie das Wild sich ohne Fuchs erholt, und dann wollen sie ihn doch wiederhaben, weil sie gerne doch welche zum Schießen haben möchten? Da zweifele ich ehrlich an den Motiven...
Naturschutz- Wildschutz ja, aber nicht um jeden Preis? Dann müssten doch die Wölfe auch in offene Arme laufen, oder? Schließlich wird man die irgendwann auch wieder bejagen dürfen, wobei sich mir nicht erschliesst, was daran so erregend ist, einen Quasi- Schäferhund flachzulegen...

Puh, ich bitte diesen Roman zu entschuldigen. Ich bin gewiss kein Jagdgegner, aber irgendwie beißt sich da was in Eurer Zunft... Einerseits wird nahezu überall gejault, wie verheerend der Fux zu Werke zieht (ich lese auch bei WIld & Hund mit) und es wird quasi genozidgleich umgelötet, was geht, und dann wird wiederum gejault, wenn sie endlich mal weg sind und es dem Wild wieder besser geht- wir wollen den Fuchs dann doch lieber wieder und dafür auch gerne weniger Hasen schießen...
?(

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Andreas75« (13.11.2014, 22:08)


59

13.11.2014, 22:54

wenn Du die Wild&Hund ließt wirst du evtl auch den Spruch kennen, es wird zuviel erzählt über zuwenig erlebten.

Ich willes mal aus meiner Sicht versuchen zu beschreiben. Es mögen zwar für den Leihen viele Füchse sein, doch ist es keine Bestand verringernde entnahme. Dieses ist mit der Waffe nicht möglich und die Fang und Baujagd wird immer mehr eingeschränkt oder das Interesse daran verdorben. Es sind aber auch teils sehr schauderhafte Märchen darüber unterwegs. Bei den Stadttieren haben wir keine Monokultur auf bestimmten Flächen und für die Raubtiere gibt es genügend menschlichen Abfall der leicht zu besorgen ist, aber ich warte auf den Tag wo die Tollwut oder Schweinepest einzug in Berlin hält. Der Wegfall der Tollwut ist ein unterschätztes Problem welches es zu kompensieren ist und noch nicht einmal erkannt wurde. Unsere Gesellschaft kann sich aber die Tollwut nicht mehr leisten. Die Jagd auf den stehts vorsichtigen Fuchs ist teilweise nicht so einfach was sie auch wieder interessant macht. Es gibt viele verschiedene Gründe auf die Jagd zu gegehen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass auch noch tief verwurzelte Gene eine Rolle spielen. Und Gene und erlerntes spielen überall eine Rolle. Dies mußte ich, obwohl schon einige male beschrieben, auch bei den Fasanen feststellen. und genau so ist es bei den Hühnern wenn ich dann das Verhalten der Tiere von tunk sehe.

60

14.11.2014, 03:06

Danke, dass Du als Jäger nicht so schnell etwas falsch verstehst bzw. auch mal etwas direktere Ausdrucksweise nicht mit Gegen- Zunder beantwortest. Ich will mich eigentlich nie so provokant ausdrücken, aber hm, 29 Jahre Berlin, wo ich seit meinem siebten Lebensjahr aufwuchs (mit Berliner Stiefvater, seit ich drei war), die prägen, der Berliner trägt sein Herz nun mal leider auf der Zunge...
Danke wie gesagt für's sehr angenehme Diskutieren, und ich finde es auch prima, dass Du einer der Waidgenossen mit ökologischem Sinn bist- nicht so häufig, das :).

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